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Das gesamte Abteil in der S-Bahn stinkt auf einmal nach altem Schweiß und Pisse.

Geschafft von meinem Arbeitstag sitze ich in der Berliner S-Bahn als der mittlerweile dritte Obdachlose einsteigt. Natürlich dauert es nicht lange bis er seinen einfallslosen Bettelspruch aufsagt. Als er an mir vorbeigeht und seine Hand nach etwas Kleingeld ausstreckt, spiele ich wie alle anderen an meinem Handy rum, in der Hoffnung zu geschäftig zu wirken, um angesprochen zu werden.

Es ist ein Moment, den jeder kennt. Die meisten drehen sich betroffen weg, schauen zu Boden, sind peinlich berührt und scheinen sich einreden zu wollen, dass dies eben nicht geschehen ist. Sie nicht angesprochen wurden und der unangenehm riechende Mensch nicht existiert. Manchmal gibt es ein leichtes Kopfschütteln, angewiderte Blicke oder ein gemurmeltes „Nein“ zu der Frage, ob man eine kleine Spende habe.

Beim Umsteigen muss ich dann am selbsten Bahnsteig mit dem „Penner“ warten. So komme ich mit ihm ins Gespräch und er erzählt mir aus seinem Leben. Wie er im Kinderheim missbraucht wurde und dass er lieber auf der Straße lebt, als noch mal in irgendeine Einrichtung zu gehen.

Was ich nicht mehr aus meinem Kopf bekomme: Hunger und Kälte würden ihm nicht so viel ausmachen. Das Schlimme sei die Einsamkeit.

Mit einem Schlag sehe ich nicht mehr den stinkenden und nervendem Bettler, sondern den Menschen. Auf einmal habe ich sogar Mitgefühl und überlege, wie ich helfen kann.

Das kurze Gespräch hat die Sichtweise auf seine Situation geändert. Wenn ich meine Vorurteile durch einen kurzen Einblick in die Geschichte eines Menschen überwinden kann, gelingt das sicherlich auch anderen. Das ist die Idee hinter „Human Stories“.